Sprechen Sie deutsch? (4)

26. März 2010

Herzliche Wilkommen bei unserem Workshop ‚Wie verhalte ich mich in Dialogsituationen?‘

Unsere heutige Lektion ‚Fragen stellen‘:

Richtig:

1.) Frage stellen

2.) Antwort/Gegenfrage abwarten.

3.) Antwort aufnehmen, bzw. Antwort geben

4.) Antwort aufnehmen

Falsch:

‚Hallo, ich wollte  nur wissen, wie lange die Formulare nach Abstempeln gültig sind.‘

‚Deutsche Formulare?‘

‚Nein nein, ich will wissen, wie lange ich Zeit habe die einzulösen‘

‚Sind es deutsche Formulare?‘

‚Ich will nur wissen, wie lange die Formulare gültig sind‘

‚Haben Sie deutsche Formulare?‘

‚Nein, ich will wissen wie lange habe ich Zeit um mein Geld zu bekommen?‘

‚Sie haben deutsche Formulare?‘

‚Ja, deutsche Formulare.‘

(Die Gültigkeit hängt vom Ausstellungsland ab)

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Sprechen Sie deutsch? (3)

18. März 2010

Am liebsten sind einem die Leute, die auf einen zukommen und eine englische Begrüßung in den Raum werfen.
Denn in dem Fall kann man mit 99%iger Sicherheit davon ausgehen, dass die Leute auch primär diese Sprache benutzen möchten um in diesem Moment mit dir zu reden.

Ganz doof ist es, wenn Leute im Telekolleg 3 Worte Deutsch gelernt haben.
Die Aussprache ist dann in der Regel perfekt und die Begrüßung fällt dementsprechend ‚deutsch‘ aus.
Also gehe ich auch davon aus, dass sie deutsch sprechen.
Meist werde ich aber vom Gegenteil überrascht, wenn sie auf meine Kommunikationsversuche damit reagieren, wie ein Auto zu schauen.

Deshalb ist bei mir im Laufe der Zeit ein effektives und zum größten Teil verstandenes Hilfskonstrukt entstanden, das folgendermaßen aussieht: ‚Sprechen Sie Deutsch, or english?‘

Die schönste(?) Antwort hat mir darauf mal eine Frau aus Kasachstan gegeben: ‚Nothing‘.

Die Häufigste Antwort auf die Frage ist allerdings ‚Euro‘, da die Leute darauf getrimmt sind, davon auszugehen, dass ich sie danach frage, wie sie ihr Geld am liebsten haben möchten.

Am tollsten sind aber die Leute, die mit Begleitung da sind.
Wenn ich die Frage dann das dritte Mal wiederholt habe und der Tourist immernoch wie ein Auto schaut, erwacht die Begleitung plötzlich aus dem Koma und wirft mir mehr oder weniger freundlich an den Kopf: ‚Sagen Sie’s doch auf Deutsch!‘

‚Hab ich ja du Hackfresse, pass halt einfach mal auf!‘


Sprechen Sie deutsch? (2)

17. März 2010

Eine nervenraubende Sache, die auch wieder während der ITB häufiger vorgekommen ist, sind Menschen, die:

– Englisch-Englisch
– Deutsch-Deutsch
– Deutsch/Englisch – sehr schlechtes Englisch

übersetzen.

Ganz ehrlich, es nervt tierisch, wenn Touristen auf mich zukommen, ich meinen üblichen ’sprechen Sie deutsch?‘ Spruch ablasse und die Begleitung dann freudestrahlend sagt ‚Nein, aber ich‘.
Naiv von mir ist es dann natürlich, davon auszugehen, dass meine Eklärungen jetzt 1:1 in die jeweilige Landessprache übersetzt werden.
Denn im Gegensatz zu mir sprechen diese Leute dann NUR deutsch und gehen davon aus, sämtliche Fremdsprachen dadurch ersetzen zu können, dass sie besonders laut und besonders blöde deutsch sprechen.
Manchmal wird auch in sehr schlechtes Schulenglisch übersetzt, was mich besonders nervt, da ich Englisch studiere und daher auch ziemlich fließend Englisch spreche.

Das beste sind aber Englisch auf Englisch Übersetzungen.
Die Leute stehen vor mir, die Begleitung einen Meter daneben. Ich erkläre es der Begleitung auf Englisch, die erklärt das weiter auf Englisch, der Tourist antwortet auf Englisch und die Begleitung sagt mir das dann auch wieder auf Englisch. Großartig!

Ein weiterer Spaßfaktor ist es wenn Leute uns nicht glauben, oder nicht verstanden haben was sie machen sollen, aber nicht nochmal nachfragen.
Was macht man also als ausländischer Tourist, statt den Menschen zu fragen, der sich damit auskennt?
Man geht zur Inkompetenz in Person Bundespolizei (mit Verlaub liebe Polizisten. Ihr habt bestimmt sehr viel Fachwissen, aber was ihr unseren Kunden manchmal erzählt ist nicht mehr feierlich. Dann lieber Unwissenheit zugeben, denn, dass ihr euch mit unserem Prozedere auskennt, erwartet auch keiner.).
Viele von den Kollegen in Blau und Grün sind dann allerdings auch so nett und kommen mit der Person nochmal zu uns. Und dann wird wieder fröhlich übersetzt, obwohl ich alles schonmal erklärt habe.
Wenn es von der Staatsmacht kommt, scheint es aber eindrucksvoller und die Menschen geben sich damit zufrieden…


Trotz des nervigen Zwiebelfisches wohne ich nahe dem Industriegebiet

5. März 2010

Nachdem ich in den letzten Tagen die ersten Seiten des ersten Bastian Sick Buches (der Dativ ist dem Genitiv sein Tod) überflogen habe, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass ich scheinbar anscheinend doch (noch) nicht sämtliches Sprachwissen und -gefühl in mir vereinigt habe.

‚Nahe des Industriegebietes‘ hätte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn sicher als nicht verbesserungswürdig eingestuft.

Jemandem, der mir erzählt hätte, ich solle doch ‚trotz dem nicht vorhandenen suboptimalen Informationsgehalt‘ die BILD-Zeitung kaufen, hätte ich wohl die Lektüre der Deutschfibel Klasse 1 empfohlen.

Hätte, Hätte, Popätte… Denn das ist natürlich alles Quatsch. Auch wenn zweiteres über die Jahre durch konsequentes ignorieren des Dativs und dem Einsetzen des Genitivs heutzutage nach korrekter Grammatik nicht mehr zulässig ist, so war es früher völlig korrekt.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Sprache nie den ‚Standarts‘, den ‚währes‘ oder den ‚vorraus… äh.. sens, oder so‘ beugt.

Denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, aber sie stirbt!

(Original veröffentlicht am 19. April 2007)


Sprechen Sie deutsch?

2. März 2010

Das größte Problem am Flughafen ist wahrscheinlich die Sprache.

Einige Touristen sprechen Deutsch, die meisten sprechen Englisch und manche sprechen auch nur ihre Muttersprache (abgesehen von denen, die nur ihre Muttersprache sprechen wollen, was sich am häufigsten durch ‚vous parlez français?‘ äußert).
Bei denen, die wirklich kein Wort englisch sprechen sind erstaunlicherweise in den Reisepässen die meisten Stempel und häufig auch Visa für die USA zu finden.
Aber da die meisten eine nicht näher bestimmte Zahl der Bundespolizisten und anderer Beamter, die am Flughafen arbeiten müssen dürfen, auch kein Wort englisch sprechen, tut man sich schwer, da irgendwelche Vorwürfe zu machen.
Wobei die meisten, die auf die Frage ob sie deutsch oder englisch sprechen mit ‚Russki‘ o.ä. antworten, meist auch passables englisch sprechen, oder irgendwo jemand finden, der übersetzt.

Aber es gibt dann doch Situationen, in denen es einfach nur nervt.

Einmal ist das der Fall, wenn die Leute auf biegen und brechen ihre Deutschkenntnisse anbringen wollen und nicht davon abzubringen sind, obwohl es vielleicht auf englisch viel einfacher wäre.
Auch wenn man dann nach einigen Schwierigkeiten auf Englisch umspringt, sind sie nicht davon abzuhalten weiter Deutsch sprechen zu wollen.
Das hat dann meist zur Folge, dass sie nach 10 Minuten wieder da sind und nochmal fragen, was sie nochmal genau machen sollten.
Vielleicht sind sie auch manchmal einfach nur dumm, denn ziemlich häufig kommen folgedende Dialoge zustande:

‚Und mit diesem Formular hier müssen sie nebenan zur Bank‘

‚Ah zur Bank, wo ist die?‘

‚Hier direkt nebenan‘

‚Ah nebenan und zu welcher Bank?‘

‚Da gibt es nur eine Bank‘

‚aha‘

‚Und was mache ich hiermit?“

‚Das habe ich ihnen doch eben erklärt, damit müssen sie zur Bank“

‚Welche?‘

‚Hier, direkt nebenan, da gibt es nur eine‘

‚Und da bekomm ich dann das Geld?‘

‚Ja‘

‚Also damit zur Bank hier nebenan?‘

‚JA!‘

Und das ist (leider) wirklich kein Einzelfall.


Wechselstube

15. Februar 2010

Normalerweise sind wir keine Wechselstube, da direkt neben uns eine Bank ist, die das unentgeltlich erledigt.

Dazu kommen dann noch gefühlte 20 andere Wechselstuben/Banken im Flughafen, der nun wirklich nicht groß ist, aber Leute überlesen Schilder einfach gerne. Aber das nur nebenbei…

Wenn die Bank allerdings morgens noch nicht offen hat, dann macht man derweil schonmal eine Ausnahme und so war es auch diesmal (zum Glück), denn so konnte ich folgendes erleben:

Mann, Mitte 30, Anzug, mit einem Hunderter in der Hand

‚Guten Morgen, können Sie mir den bitte wechseln?‘

‚Ja, ausnahmsweise, was möchten sie denn?‘

‚Na, Scheine‘

‚Ähm ja, was denn für Scheine?‘

(sichtlich verwirrt) ‚Na, Euro!‘

Kurz danach hörte man dann förmlich das klicken in seinem Kopf und er fing an zu lachen. Ich war natürlich sofort dabei und wir haben uns dann darauf geeinigt, dass er mir auch den Einzelwert der Scheine verrät.

Kurzum, angenehmes zum Frühdienst, manchmal spricht man zwar die gleiche Sprache, versteht sich aber trotzdem nicht so richtig.


Neulich im Bus

15. Februar 2010

Eine kleine erheiternde Diskussion spielte sich wie folgt zwischen einer Frau mit Migrationshintergrund und dem Busfahrer ab:

‚Sind Sie Metzer Platz?‘

‚Nein, ich bin Busfahrer!‘

Er erklärte dann dennoch, dass er auch über den Metzer Platz fährt und die Frau war sichtlich beruhigt…