Tales of Berlin

4. Januar 2011

Folgende Sachaufgabe gilt es heute zu lösen:

Der Architekt Peter Schwengel und der Bauunternehmer Hubert Langenhuber starten ihre Reise von zwei 100km auseinanderliegenden Orten zur gleichen Zeit.
Der Architekt verbraucht mit seinem Mercedes E-320 im Schnitt 12l/100km während der Bauunternehmer mit seinem BMW im Schnitt 62km/h zurücklegt.
Beide erreichen zum gleichen Zeitpunkt Berlin.
Dort unterhalten sie sich über Möglichkeiten viel Geld mit wenig Aufwand zu erwirtschaften.
Das Problem der beiden ist, dass Berlin in Sachen Bebauung schon weit erschlossen ist und es nur wenig Möglichkeiten gibt neue Loftwohnungen zu schaffen um dem immer größer werdenden Migrantenstrom aus Baden-Württemberg gerecht zu werden.

Da hat Hubert L. plötzlich eine Idee.
Vergangenen Sonntag musste er bei seinem Rückflug aus Thailand einen Zwischenstopp in Berlin einlegen, wobei ihm sofort die große Freifläche neben den Start- und Landebahnen am Flughafen Tegel auffiel.

‚Das wäre der optimale Platz für einen zwölfstöckigen Luxusappartmentbau‘ sagte er zu Peter S., der sofort begeistert war.
Nun mussten nur irgendwie die Kosten niedrig gehalten werden, damit das Vorhaben möglichst viel Gewinn einbringt.
Peter S. schlug vor, den Komplex aus nordiranischem Papierimitat zu bauen, woraufhin Hubert L. bereits mit glänzenden Augen den Antrag für eine Baugenehmigung ausfüllte.
Hannelore H., Mitarbeiterin der Bezirksverwaltung und eine entfernte Cousine von Hubert L., genehmigte die Bebauung unter der Voraussetzung, dass Hubert L. zur Hochzeit ihrer Nichte komme.

Kaum zwei Wochen später war das Bauvorhaben so gut wie abgeschlossen und Interessent Heinrich M. bereits zu einem Besichtigungstermin erschienen.
Nachdem Peter S. und Hubert L. ihm mitteilten, dass die Lage perfekt wäre und es weniger als 2 Minuten zum Flughafen seien, entfuhr Heinrich M. nur noch ein ‚Heilix Blechle‘ und der Kaufvertrag für das 936.482,36€ teure Loft war abgeschlossen.

Nach seinem Einzug bemerkte Heinrich M. immer wieder laute Geräusche, die fast fortwährend aus Richtung der Landebahn kamen und identifizierte sie innerhalb von 2 Wochen als Fluglärm.
Nun stand er vor einer wichtigen Entscheidung ‚Wen sollte ich dafür zur Rechenschaft ziehen?‘
Peter S., weil ein Haus aus nordiranischem Papierimitat nur schwer den Schallschutzbestimmungen standhalten kann?
Hubert L., weil direkt neben einer Start- und Landebahn der Geräuschpegel erfahrungsgemäß sehr hoch ist? oder
Hannelore H., die die Baugenehmigung unter diesen Umständen nicht hätte erteilen dürfen?

Heinrich M. entschied sich für die einzig plausible Lösung und verklagte den Flughafen.
Nach zwei Instanzen war dann auch klar, dass zwischen 14-12Uhr keine Flugzeuge mehr starten oder landen dürfen (ausgenommen Segelflugzeuge), da Heinrich M. nur von 12-14Uhr zum Einkaufen und Bummeln sein Haus verlässt.
Da der Flughafen nach einer Testphase Langstreckenflüge mit Segelflugzeugen zu bedienen, das Konzept aufgeben musste, wurde er eine Kaffeepause später geschlossen.

Ihr meint sowas wäre hirnrissig und völlig an der Realität vorbei?
Dann bitte: http://www.morgenpost.de/berlin/article1496992/Knaack-Club-schliesst-an-Silvester-endgueltig.html

Kurz zusammengefasst:
– Club macht 1952 auf
– Loftwohnungen werden vor ein paar Jahren direkt hinter dem Club gebaut
– Die Wände werden zu dünn geplant
– Es wird damit geworben, dass die Wohnungen direkt in der Szenegegend liegen und Clubs schnell erreichbar sind
– Die neuen Anwohner beschweren sich über den Lärm
– Nach dem Gerichtsurteil darf nur noch in Zimmerlautstärke gefeiert werden
– Keiner geht mehr hin
– Club macht zu

Armes Berlin, bald bist du reich, aber nicht mehr sexy…


Taxi!

3. Dezember 2010

Was für ein Tag war das gestern.

Wieder einmal für alle und besonders für die Bahn überraschend, wurde es im Dezember kalt.
Sogar Schnee gab es. Da es aber noch vor dem offiziellen Winteranfang war, hat sich anscheinend niemand größere Gedanken darüber gemacht, ob man vielleicht entsprechende Vorkehrungen treffen könnte. Es ist ja nicht so, dass das schonmal passiert wäre…

Nun musste ich gestern also Uni und Firmenweihnachtsfeier unter einen Hut bringen. Unter normalbedingungen hätte das ganze auch knapp funktioniert.
Dass es ein elender Tag werden würde, habe ich allerdings bereits gemerkt, als sich der Bus auf dem Weg nach Potsdam auf der Landstraße in eine lustige Autoschlange einreihen musste.
Der Anführer der Karavane hat maximale 30 km/h auf die Reihe bekommen und da haben sich natürlich gleich alle in den Windschatten gehängt.
Der Busfahrer war davon dann auch extrem begeistert und erzählte das seinem Lenkrad fortwährend.

Als ich dann auf dem Rückweg statt einer ca. zwei Stunden aus Potsdam nach Hause brauchte wurde alles relativ knapp, also hab ich nach einer U-Bahn etappe auf dem Weg zur Weihnachtsfeier auf Taxi umgesattelt.
Was ich mir dabei gedacht habe ist mir auch nicht ganz klar, denn mit dem Taxi dauerte es nochmal deutlich länger, da (wie der Kollege im Taxi auch meinte) ‚Berlin heute ein Stau‘ ist.
Als ich am Zoo in besagtes Taxi stieg, fiel mir auch auf, dass es heute nicht mehr einfach mit weiteren fahrten wird, denn andere Taxis standen an der sonst relativ vollen Halte nicht.

Nachdem wir dann mit der ersten Etappe der Feier fertig waren, brauchten wir 3 Taxis und haben irgendwie versucht den Funk anzurufen, leider war das extrem ergebnislos.
Also haben wir uns ins ewige Eis gewagt um mal freundlich die Straße lang zu winken.
Da standen wir dann auch an der Kreuzung am Görlitzer Platz und sahen viele schöne elfenbeinfarbige Autos an uns vorbeifahren, leider waren die nur vorne und hinten beleuchtet.
Dann war einem Teil von uns das Glück erstmal hold, nachdem ein Taxi direkt vor uns abgeladen hat und kurz darauf auch noch ein leeres die Kreuzung entlang kam.

Der letzt Rest (inkl. mir) hat dann noch ca. 10 Minuten dem Verkehrstreiben zugeschaut, bis eine Touristin, die gerade mit dem Taxi vorbeikam so nett war und mit reinzulassen, da ihr Ziel auf unserem Weg (Humboldthafen) lag.
Unser Fahrer hat dann direkt auch freundlich gefragt, ob er uns schon am Hbf rauslassen kann um einen der gefühlten 100 wartenden Fahrgäste direkt einladen zu können.
Die Frau, die das Taxi nach uns benutzen wollte, saß dann auch schon fast auf meinem Schoß als ich die Tür aufgemacht habe.

Auf der vorletzten Etappe brauchten wir dann nochmal 2 Taxis. Eins kam freundlicherweise direkt leer vorbeigefahren, das andere mussten wir am Hbf einfangen.

Als es dann nach Hause ging, war es auch wieder relativ witzig, an der Simon-Dach-Str. fahren ja extrem viele Taxis herum, deshalb hatten wir auch kurz nach dem verlassen der Lokalität das erste angehalten.
Die Kollegen stiegen dann mit Ziel Bohnsdorf ein, der Taxifahrer allerdings machte keinen Anstalten loszufahren.
Wir haben dann schon gescherzt ‚haha, die müssen bestimmt gleich wieder aussteigen‘. Doch dann fuhr er los, und hielt ca. 5m weiter wieder an und beide sind ausgestiegen.
Er musste den Wagen wohl in 45 Minuten abgeben und das wäre dann doch etwas weit geworden.
Der zweite Fahrer hat sie dann aber mitgenommen.

Wir haben dann nach kurzer Zeit auch noch jemanden gefunden und haben erstmal leise angefragt, ob ‚von hier über Steglitz nach Spandau und dann nach Brieselang‘ für ihn in Ordnung ist.
Er meinte dann noch ’na klar, so eine Strecke lehnt doch kein Taxifahrer ab!‘

War aber eine sehr angenehme, freundliche Fahrt, weshalb ich ihm die Tour auch sehr gegönnt habe. Bei mir zu Hause standen zumindest schonmal 44,60 auf der Uhr und dann ging es nochmal neu los nach Brieselang, also sollte das Endergebnis nicht allzu verkehrt gewesen sein.


Mmmmhhh… lecker!

4. September 2010

Wir haben hier neben unserem Schalter einen Wasserspender, den nur unsere Kunden benutzen dürfen.

Deshalb gibt es die Becher auch nur auf Anfrage bei uns.
Die Leute, die die Becher benutzt haben, lassen die dann aber auch gerne mal am Spender liegen.

Also haben sich heute ziemlich dreist zwei Leute einfach am Spender bedient und die alten Becher der anderen Leute aufgefüllt, im Glauben es wären neue.

Nachdem sie fertig waren haben sie sich dann noch bedankt und ich habe sie darauf hingewiesen, dass sie gerade benutzte Becher genommen haben.

Geglaubt haben sie es mir wohl nicht, aber einen inneren Frieden hab ich dadurch schon…


…der früher mal mein Fussballtrainer war.

22. August 2010

Und mal wieder die Lüg… Mongolen!
Ich lasse den Dialog mal unkommentiert auf die Leserschaft wirken:

‚Dann bräuchte ich bitte mal den Pass‘

(pass wird rübergereicht)

‚Aber das hier auf den Formularen sind ja gar nicht sie, den Pass von der Person bräuchte ich.‘

‚Das ist mein Cousin, der ist schon geflogen‘

‚Dann brauche ich mindestens eine Passkopie von der Person‘

‚Eine Passkopie von meinem Bruder?‘

‚Gerade war das doch noch Ihr Cousin?‘

‚Hm?‘

‚Ja, was ist er denn nun?‘

‚Naja Cousin, Bruder, ist doch egal‘

‚Okay, dann bringen sie das nächste Mal bitte eine Passkopie von Ihrem Bruder, Cousin, Vater, Mutter oder wemauchimmer mit…‘


LOL wtf?

22. August 2010

Über Freunde, Bekannte und flüchtig mal gesehene ist mir ja inzwischen bekannt, dass die Generation Internet gerne mal Akronyme in den Sprachgebrauch übernimmt.
Da wurde dann nicht mehr richtig gelacht, sondern nur noch geLOLt und geROFLt.

Aber heute eine Frau mittleren Alters im Bus beim Telefonieren mit ‚HDGDL, Tschüss‘ abschließen zu hören, war mir dann doch sehr suspekt.


The curious case of Axel Mehmet

6. August 2010

Wieder einmal geht es um meine Lieblingsfreunde aus der Mongolei.

Zwei Damen mittleren alters kamen also während der Mongolenzeit zu mir und gaben mir ihre Belege.
Da wir nicht zwangsweise die Pässe prüfen, wenn die Belege am gleichen Tag vom Zoll gestempelt wurden, war auch erstmal alles wie immer.

Etwas komisch war es allerdings, dass im Namensfeld der Formulare ‚Mehmet‘ stand und die Passnummer eine türkische war, die Adresse allerdings eine aus der Mongolei.
Da wir immer den kompletten Namen brauchen, hab ich ihr dann ein Formular mit der Bitte den kompletten Namen zu ergänzen zurückgegeben.
Sie zögerte dann kurz, schrieb ‚Axel‘ und kicherte ein bißchen mit ihrer Freundin.

Da ‚Axel Mehmet‘ mir kein bekannter türkischer Name war (und ich komme aus dem Wedding) habe ich dann doch mal nach dem Pass gefragt.
Axel Mehmet war natürlich nicht da und deshalb wurde das ganze erstmal zurückgeschoben, die Belege habe ich derweil behalten.
Irgendwann kamen sie dann wieder und meinten sie hätten ihn angerufen, er säße aber schon im Flugzeug, weshalb er nicht mehr selbst vorbeikommen kann.
Deshalb hätten sie gerne die Belege zurück. Das stand natürlich außer Frage, deshab meinte eine von beiden dann, Axel Mehmet würde in den kommenden Wochen wieder in Berlin sein und holt sein Geld dann selbst ab.

Ich bin gespannt, ich wollte schon immer jemanden sehen, der Axel Mehmet heißt.


Football brings the world together

5. Juli 2010

Am Samstag durfte ich arbeiten.
Da ich die FIFA nicht rechtzeitig darüber unterrichtet hatte fand zur gleichen Zeit ein Fussballspiel statt.

Da ich also kein Schild ‚komme in 90 Minuten wieder‘ an den Schalter stellen und mir das Spiel gemütlich bei Leysieffer in der Haupthalle anschauen konnte durfte, musste der ZDF Livestream herhalten.
Damit meine Friseurin von gegenüber auch mitschauen konnte, habe ich den Monitor dann auch richtung Gang gedreht, was sich im Nachhinein als sehr interessante Entscheidung herausstellte.

Neben dem Problem, dass alle Aktionen erst 3 Minuten später im Livestream zu sehen waren, der Jubel aber zeitnah durch die Haupthalle schallte, war er ein ziemlicher Menschenfänger.

Viele sind vorbeigekommen, haben sich das Ergebnis angeschaut und waren zu 100% sehr erstaunt.
Selbst zwei Chinesen konnten, während ich sie abgefertigt habe, die Augen nicht vom Bildschirm lassen.

Am schönsten war aber der Südafrikaner, der genau zu der Zeit als das Tor fiel beim Zoll war.

Er kam dann wieder zu mir und folgende zwei Zeilen entstanden (auf englisch natürlich)

‚Jetzt hast du genau das Tor verpasst!‘

‚Ja, ich weiß, aber der Zoll wollte mich nicht mit ins Büro lassen, deshalb hab ich es nicht gesehen.‘

Nach dem Spiel musste ich mich dann von meiner Arbeitsoberbekleidung trennen (Hemd, Krawatte) und im Deutschlandtrikot weiterarbeiten.
Ging einfach nicht anders…