Die Damen von der Info

26. März 2010

Vor allem anderen muss ich erstmal den Unterschied zwischen Duty Free und Tax Free erklären.
Duty Free sind die Shops hinter der Sicherheitskontrolle.
Tax Free ist unser Steckenpferd und wird an bestimmten Countern im Terminal ausgezahlt.

Kurz: Duty Free != Tax Free

Da sitze ich nun also an meinem Arbeitsplatz, habe einen schönen Blick in die Halle mit den Check-In Schaltern und freue mich meines Lebens.
Mein Schalter ist so konzipiert, dass ich nach vorne rausschauen kann, Rechts an der Seite die Tür ist und direkt hinter mir die Wand, die durch die komplette Halle führt.
Da es direkt IN der Halle keine Möglichkeit gibt seinen Kofferkuli wieder loszuwerden (aber davor), sind manche Leute so freundlich und bieten anderen die Möglichkeit ihre Wagen abzugeben, indem sie ihren einfach irgendwo in den Raum stellen und dabei auf den Euro/Pfund/Quarter Pfand scheißen.

In diesem Fall waren die Leute dann so freundlich eine lustige Schlange direkt vor meine Tür zu bauen, sodass ich nur unter Zuhilfenahme der 4-teiligen DVD-Reihe des Telekollegs ‚Olympisches Kunstturnen‘ wieder aus der Bude kommen würde.
Da ich aber keinen DVD-Player hatte, beschloss ich doch mal die Firma zu kontaktieren, die hier die Wagen hin- und herschiebt.

Ab jetzt könnte die Geschichte so schön kurz und angenehm sein, wenn Intelligenz bei jedem menschlichen Wesen vorausgesetzt werden könnte.
(Anruf bei der Info, Nummer von der Firma, Anruf bei der Firma, Freiheit!)

Da ich aber die noch einfachere Variante vorzog (Anruf bei der Info, Durchsage, Freiheit), rief ich also bei der Info an:

‚Hallo, Nick hier! Könnt ihr für mich mal ne Durchsage machen? Ich brauche hier einen von xxx für die Gepäckwagen‘

‚Nee, machen wir einfacher, ich geb dir die Nummer und dann rufst du an‘

‚Okay‘

‚1234‘

Da das interne Netz eine so wunderbare Anruferinfo hat, dass man schon vorher sieht, welche Firma man da gerade kontaktiert, war mir sehr schnell klar, dass ich gerade die Nummer von unserer Reinigungsfirma bekommen habe (da ging allerdings auch keine(r) ran, also…).
Also wieder Info:

‚Ihr ruft aber heute oft an, sonst nie und heute schon das zweite Mal‘

(Warum wir da sonst nie anrufen, weiß ich heute auch)

‚Ja, die Kollegin von dir hat mir gerade ne Nummer gegeben, da geht aber keiner ran, könnt ihr vielleicht xxx mal ausrufen…‘

‚Nee, die haben ne Handynummer, die geb ich dir einfach mal. Falls das (widererwarten) nicht klappen sollte, ruf einfach (Frau an der Durchsage) an‘

‚Okay‘

Handynummer, super, muss ja klappen. Also schnell gewählt. Schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden:

‚Tüt tüt tüt… diese Nummer ist nicht vergeben…‘

Okay, das hätten wir uns alles sparen können, wenn sie gleich eine Durchsage gemacht hätten, aber egal.
Durchsagefrau angerufen:

‚Hallo, Nick hier! Kannst du mal ne Durchsage machen, ich brauch einen von der Firma xxx ins Terminal C zum Tax Free Schalter, wegen der Gepäckwagen‘

‚Was? Gepäckaufbewahrung?‘

‚Nein, Gepäckwagen. Die haben mich hier zugestellt.‘

‚Alles klar, mach ich!‘

‚Super Danke!‘

Kurz gewartet

*dingdangdong* ‚Ein Mitarbeiter der Firma xxx bitte ins Terminal C‘

Kurz gewartet… Nichts weiter…

Wenn der Mitarbeiter schlau war, ist er gar nicht erst losgelaufen, denn das Terminal C ist groß und ich bin ganz am Ende (des Terminals…).

Aaaaallsssooo, nochmal angerufen

‚Ja hallo, ich nochmal, könntest du noch Tax Free Schalter dazu sagen, dann findet er das auch.‘

‚Was nochmal? Ja okay, mach ich…‘

‚Danke!‘

Kurz gewartet

*dingdangdong* ‚…‘

(Wahrscheinlich Lampenfieber, dann nochmal:)

*dingdangdong* ‚Ein Mitarbeiter der Firma xxx bitte in den Duty Free Shop ins Terminal C‘

Eine dritte Anfrage hat sie dann einfach ignoriert und ich bin nach 2 Stunden Kopf-auf-den-Tisch-schlagens nach Hause geturnt.

Advertisements

Sprechen Sie deutsch? (4)

26. März 2010

Herzliche Wilkommen bei unserem Workshop ‚Wie verhalte ich mich in Dialogsituationen?‘

Unsere heutige Lektion ‚Fragen stellen‘:

Richtig:

1.) Frage stellen

2.) Antwort/Gegenfrage abwarten.

3.) Antwort aufnehmen, bzw. Antwort geben

4.) Antwort aufnehmen

Falsch:

‚Hallo, ich wollte  nur wissen, wie lange die Formulare nach Abstempeln gültig sind.‘

‚Deutsche Formulare?‘

‚Nein nein, ich will wissen, wie lange ich Zeit habe die einzulösen‘

‚Sind es deutsche Formulare?‘

‚Ich will nur wissen, wie lange die Formulare gültig sind‘

‚Haben Sie deutsche Formulare?‘

‚Nein, ich will wissen wie lange habe ich Zeit um mein Geld zu bekommen?‘

‚Sie haben deutsche Formulare?‘

‚Ja, deutsche Formulare.‘

(Die Gültigkeit hängt vom Ausstellungsland ab)


Traurig…

24. März 2010

…war das, was ich heute erlebt habe irgendwie schon. Auch wenn man keine weiteren Hintergründe kennt.

Drei Russen waren heute bei mir. Eine junge Frau (später stellte sich heraus 24). Ein wohl relativ hoher Botschaftsmitarbeiter und eine andere Dame.
Das einzige was herausstach war die Uhr von einem Luxusartikelvertrieb, dessen Anfangsbuchstabe ziemlich weit hinten im Alphabet zu finden ist.
Der Preis war dementsprechend im 5-stelligen Bereich und der Zollbeamte hat die Herrschaften deshalb zum Check-In begleitet, nachdem wir mit allem durch waren.

Nach einiger Zeit kam dann der Kollege vom Zoll zu mir und meinte wir hätten ein Problem. Das Mädel ist nicht geflogen und nun muss die Sache rückgängig gemacht werden, da die Uhr nicht exportiert wird und eine Aufbewahrung beim Zoll für die Touristen nicht in Frage kommt.

Gesagt getan.

Als ich dann danach noch bei den Kollegen beim Zoll war, habe ich nochmal nachgefragt, was genau denn war (bisher bin ich davon ausgegangen, dass der Flug gecancelt wurde)

Das Mädel hatte einen Freund in Russland, der ihr das Ticket gekauft hat. Beim Check-In hat sie dann erfahren, dass ihr Freund das Ticket von Moskau aus wieder storniert hat.
Sie hat dann mehrmals versucht ihn anzurufen, aber er wollte nicht mit ihr sprechen.

Jetzt kann man nur mutmaßen was da vorgefallen ist (die Uhr hat ihr wohl der Botschaftsmitarbeiter geschenkt), aber die feine russische englische Art war das mit Sicherheit nicht.


G-R-Ü-N

23. März 2010

Zugegeben, wenn man in einem Computerladen arbeitet, hat man mit vielen Sorten von Kunden zutun.

Die einen sind die, denen im Grunde alles egal ist. Der Preis spielt meist keine Rolle und dem Verkäufer wird ohne Einschränkung vertraut.

Die anderen wissen mehr als man selbst, sind dabei aber nicht überheblich, sondern sehen ein, dass man auch als Mitarbeiter im Hardwareverkauf nicht ALLES wissen kann.

Die schönsten sind aber die Computerbildleser, die ALLES besser wissen und sich dann darüber beschweren, wie SCHEIßE doch der Laden ist, wenn sie eines besseren belehrt werden.
Und davon gibt es leider viel zu viele.
Folgende Situation:

Der Laden ist so gut wie leer. Ein Kollege verräumt gerade Ware, ich stehe mit einem anderen Kollegen vorne an der Theke.
Ein Mann betritt den Laden und geht zielstrebig auf meinen Kollegen zu, da ich noch einen Kunden bediene, den ich aber gerade verabschiede.

Kunde: ‚Ich brauche zwei Druckerpatronen‘

Kollege: ‚Alles klar, welche Farben brauchen Sie denn?‘

‚Grün und Rot‘

Für alle, die das bis hier völlig normal finden, es gibt GENAU 3 verschiedene Druckerfarben (und Schwarz), Grün und Rot gehören nicht dazu.
Alle Druckerfarben werden aus den Grundtönen Cyan (eine Art Blau), Magenta (eine Art Rot), Yellow (Gelb) (und Schwarz) zusammengemischt.

Da natürlich so gut wie keiner kommt und Magenta und Cyan kauft, sondern Rot und Blau, bin ich in meinem jugendlichen Leichtsinn auch davon ausgegangen, dass der Herr sich versprochen hat. Ich mische mich also mit einem leichten lächeln ein:

‚Grün bekommen Sie hier aber nicht‘

(bestimmend) ‚Doch!‘

(Der Kollege ist inzwischen vom Tintenregal zurückgekehrt)

‚Da es Grün leider nicht als Tinte für Drucker gibt, kann ich Ihnen nur noch Blau oder Gelb anbieten‘

‚Nee, ich will Grün und das andere hier ist ja Magenta. Ich will Grün und Rot!‘

‚Tut mir leid, Grün und Rot gibt es leider nicht, die Farben werden aus den drei Grundfarben gemischt und Grün ist keine davon‘

‚Natürlich! Ich habe das doch auf Ihrer Homepage gesehen! Ich will Grün und Rot!‘

Damit ging er dann zu unserem Terminal (ein Computer der in jedem Laden steht und unsere Homepage aufgerufen hat) um nochmal selbst nachzuschauen.

Die anderen Kunden im Laden waren auch sichtlich amüsiert.
Als ich dann den Kollegen, der gerade mit einem Wagen voller Ware reinkam gefragt habe, ob diesmal die grünen Patronen gekommen sind, konnten sich einige das Lachen nicht mehr verkneifen.

Kurz darauf schallte es dann nochmal vom Terminal zu uns.
Der Mann hat nun buchstabiert, damit selbst wir es verstehen:
‚G-R-Ü-N und R-O-T‘

Nachdem er dann natürlich widererwarten auch in unserem Onlineshop nicht fündig wurde, hat er sich noch lauthals beschwert was für ein Scheißladen das hier ist, es natürlich grüne Patronen gibt und er nie wieder hierherkommen wird.

Na und? Schade!


Lieber Darwin…

22. März 2010

Zwei kurze Geschichten über das alltägliche Grauen.

Letztens an der Kasse:

Eine Frau vor uns, die soweit ich das überblicken konnte eine Dose Champignons und zwei andere Kleinpackungen mit verderblichem Inhalt kaufen wollte.
Folgende Szenen spielten sich ab, die ich einfach mal unkommentiert lasse:

Kassiererin: ‚Das sind dann xx€‘

Kundin: ‚Dann nehme ich die Champignons nicht‘

‚Horst! Hoooooooorst! Ich brauch ma‘ die Karte! (Für den Storno)‘

*pling* (Stornogeräusch)

‚Dann sind das 3,75€‘

(Kundin bezahlt mit EC Karte)

*plöng* (EC Vorgangsabschlussgeräusch)

‚Auf Wiedersehen und einen schönen Tag‘

‚Nee, dann nehme ich die Champignons doch‘

Ich: *grml* (Mentales Zusammenbruchsgeräusch)

Morgens auf dem Weg zum Bäcker:

Eine Frau mit Rollator (langsam glaube ich, der Rollator ist eine Auszeichnung für besonders blödes Verhalten) steht bei Rot an der Ampel.
Schaut sich um bis kein Auto mehr kommt, und rollert dann langsam aber sicher BEI ROT, mit dem ROLLATOR über die Ampel.


Sprechen Sie deutsch? (3)

18. März 2010

Am liebsten sind einem die Leute, die auf einen zukommen und eine englische Begrüßung in den Raum werfen.
Denn in dem Fall kann man mit 99%iger Sicherheit davon ausgehen, dass die Leute auch primär diese Sprache benutzen möchten um in diesem Moment mit dir zu reden.

Ganz doof ist es, wenn Leute im Telekolleg 3 Worte Deutsch gelernt haben.
Die Aussprache ist dann in der Regel perfekt und die Begrüßung fällt dementsprechend ‚deutsch‘ aus.
Also gehe ich auch davon aus, dass sie deutsch sprechen.
Meist werde ich aber vom Gegenteil überrascht, wenn sie auf meine Kommunikationsversuche damit reagieren, wie ein Auto zu schauen.

Deshalb ist bei mir im Laufe der Zeit ein effektives und zum größten Teil verstandenes Hilfskonstrukt entstanden, das folgendermaßen aussieht: ‚Sprechen Sie Deutsch, or english?‘

Die schönste(?) Antwort hat mir darauf mal eine Frau aus Kasachstan gegeben: ‚Nothing‘.

Die Häufigste Antwort auf die Frage ist allerdings ‚Euro‘, da die Leute darauf getrimmt sind, davon auszugehen, dass ich sie danach frage, wie sie ihr Geld am liebsten haben möchten.

Am tollsten sind aber die Leute, die mit Begleitung da sind.
Wenn ich die Frage dann das dritte Mal wiederholt habe und der Tourist immernoch wie ein Auto schaut, erwacht die Begleitung plötzlich aus dem Koma und wirft mir mehr oder weniger freundlich an den Kopf: ‚Sagen Sie’s doch auf Deutsch!‘

‚Hab ich ja du Hackfresse, pass halt einfach mal auf!‘


Kopf ist Zahl

17. März 2010

Zugegeben, ich bin mir nicht sicher, ob das geschrieben und nicht miterlebt auch nur annähernd komisch ist (ich habe es auch nur kurz danach erzählt bekommen), aber wir haben sprichwörtlich auf dem Boden gelegen und für die nächsten Monate war das auch immer wieder ein großartiger Insider.

Also folgende Situation in meinem alten Job bei K&M.

Zwei Kollegen von mir stehen vorne am Tresen zur Kundenberatung. Einer von beiden war immer ziemlich ein bißchen verplant, das ist für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtig.
Jeder von beiden hat einen Kunden und beide Kunden möchten zufällig GENAU die gleiche Grafikkarte (wer sich ein bißchen mit Hardware beschäftigt, weiß das es das gleiche Modell von sämtlichen Herstellern und auch in verschiedenen Varianten gibt, also eine nicht alltägliche Situation).
Beide Kollegen sehen also ‚aha, noch eine Karte auf Lager‘, sagen das dem jeweils glücklichen Kunden und treffen sich dann vor dem Regal mit den Grafikkarten.
Nachdem die Situation klar war, wurden die Kunden gefragt, was sie jetzt machen wollen.
Und wie jeder erwachsene Mensch, kamen sie auf die großartige Idee eine Münze zu werfen.

Das Ergebnis hat dann mein verplanter Kollege so erzählt.

‚Meine Kunde hat dann Zahl genommen und der von xxx Kopf.‘

‚Dann haben wir die Münze geworfen und es kam Kopf, also hat der andere gesagt, mein Kunde soll die Karte nehmen, er verliert ja sowieso immer‘

Darauf wir:

‚Aber wieso? Der Kunde von xxx hatte doch Kopf‘

Darauf viele Fragezeichen bei meinem Kollegen:

‚Aber Kopf ist doch Zahl!‘

Ja… ähm… ähh..